Das Sigillum DEI AEMETH – Gastbeitrag von Stefan Lööck – 1. Teil

 

Das Sigillum DEI AEMETH

Wenn wir heute an das henochische System des Dr. John Dee heran gehen, müssen wir uns zunächst ein wenig in das mittelalterliche Weltbild hinein versetzen. Der frühere Mensch besaß ein geozentrisches Weltbild. Für ihn war der Sternenhimmel eigens für die Erde erschaffen. Auf diesem unseren Planeten, den sie als solchen noch nicht erkannten, existierten die Menschen, die laut ihrem religiösen Verständnis die Abbilder des Gottes waren, der all dies erschuf. Der Himmel war für sie ein Wunder, und hinter diesem musste der Schöpfer existieren. Doch wozu erschuf er dieses Zelt mit den abertausenden Lichtpunkten über der Weltenscheibe? Manche vermuteten, dass diese Lichter eine Kommunikation Gottes mit den Menschen sein müsse, denn es waren nicht alle Lichter gleich. Manche bewegten sich (Planeten) vor dem Hintergrund der feststehenden Punkte (Fixsterne). Es schien eine Art Code dahinter zu stecken, und die Beobachtung dieser Punkte wurde zu einer Wissenschaft, zur Astrologie.


John_Dee2_webDr. John Dee war nicht nur der Berater der englischen Königin, sondern unter anderem auch ein angesehener Astrologe. So liegt die Vermutung nahe, dass sein henochisches System ein ausgeklügeltes astrologisches Werk ist. Er lässt die Planeten selbst zu Wort kommen, und nennt sie Engel.
Sein System ist zudem stark hierarchisch aufgebaut was uns heutzutage etwas irritiert. Da gibt es Erzengel, Engel, Seniorengel, mindere Engel, u.s.w…. Auch dieser Aufbau ist dem Denken des mittelalterlichen Menschen vertraut gewesen, denn so war die feudale Gesellschaft strukturiert. Wieso sollte es im Himmel anders sein als auf Erden? Selbst der Golden Dawn und A. Crowley, die das henochische System 500 Jahre später wiederbelebten und es interpretierten, zweifelten nicht an dieser Hierarchie, denn Großbritanniens feudale Herrschaftsgesellschaft hatte sich seit dem Mittelalter nicht verändert.
Was kann uns also ein so veraltetes System heute noch sagen bzw. dienen? Die Hierarchie existiert immer noch im demokratischen Denken, doch wissen wir schon lange, dass ein gutes Team nur funktioniert, wenn alle gleichberechtigt ihre Ideen einfließen lassen können. Auf der gesellschaftlichen Ebene haben wir es zum Teil bereits erkannt, jedoch noch nicht im größeren Stil auf der körperlichen Ebene. Das Gehirn scheint die Oberherrschaft zu besitzen, und alle anderen Organe dienen diesem. Aber auch auf der körperlichen Ebene garantiert nur eine gute Zusammenarbeit das Überleben des gesamten Körpers. Gleiches gilt auf der psychischen Ebene, doch über diese weiß der westliche Mensch recht wenig.
Das henochsiche System ist vergleichbar mit der taoistischen Alchemie, die die Jahreszeiten (dort sind es fünf) und die planetaren Kräfte einfließen lässt. Anders als im Westen mussten die chinesischen Alchemisten ihre Kunst nicht verschleiern. Es war klar, das alle ihre Übungen sich auf den Menschen und auf dessen Körper bezogen. Es wurde versucht eine innere und äußere Ausgeglichenheit zu erreichen, um so ein langes Leben zu garantieren. Die kosmischen Kräfte galten als Vergleichsmöglichkeit zu den körperlichen und seelischen Verfassungen, und sie wurden einander gegenübergestellt. Der Alchemist wusste genau welche Kraft zu viel am Wirken war, und welche Kraft stimuliert werden musste, um wieder zu einem natürlichen Ausgleich zurückkehren zu können. Noch heute ist die chinesische Medizin erfolgreich, und die ausgewogenen Ernährungsvorschläge wie auch das Feng Shui sind einer breiten Öffentlichkeit im Westen bekannt.

Die henochische Magie ist ein Schatz der noch gehoben werden muss. Wie die chinesische Medizin beinhaltet sie das Wissen um die Ausgleichung. Sie widmet sich der physischen und der psychischen Ebene des Menschen, und geht sogar darüber hinaus. Sie eröffnet uns, das es nicht nur EINE psychische Ebene gibt, sondern mehrere! Insgesamt besitzt jeder Mensch laut dieser Magie 7 Ebenen. Diese 7 Ebenen werden den klassischen Planeten (also die Himmelskörper die im Mittelalter als Planeten bezeichnet wurden inklusive Sonne und Mond!) zugeordnet. Es ist irrelevant das wir heute ein anderes Bild vom Sonnensystem haben. Das henochsiche System ist ein Modell zur Veranschaulichung. Es entspricht nicht den tatsächlichen Begebenheiten. Henochisch ist eine Sprache die extra erfunden wurde, um uns mit unserer Psyche vertraut zu machen. Sie wird dadurch greifbar und wir können mit uns selbst kommunizieren, indem wir die verschiedenen Ebenen personifizieren. Die Engel der Magie sind nichts anderes als die Stimmen unserer verschiedenen psychischen Ebenen, und wenn wir uns mit ihnen vertraut machen, können sie uns hinaus geleiten in den unendlichen Kosmos, in die leere, unendliche Seele die ALLES beinhaltet (das WU CHI der Taoisten).

Fortsetzung in Kürze mit ausführlichen Beschreibungen der henochischen Engel sowie Übungen für die Praxis.

http://magie-blog.com
Share

Schreibe einen Kommentar

4 × 2 =