Der „Tempel of Set“ – Left Hand Path

 

Ich möchte heute wieder einmal über einen etablierten, magischen Orden schreiben: Den “Temple of Set“. Er ist wohl die führende Schule in Bezug auf ein Gebiet der Magie, das man gemeinhin als “Left Hand Path” LHP bezeichnet. Was versteht man nun unter diesem oft missverstandenen, philosophisch magischen System?

 

Stephen Flowers skizziert in seiner Abhandlung Lords of the Left-Hand Path ein interkulturelles Modell des LHP, das wie folgt aufgebaut ist:

Das Universum ist die Gesamtheit allen Seins. Für das menschliche Subjekt untergliedert es sich in das Erkennbare und das Unerkennbare. Dieses komplexe Modell gestattet zumindest zwei basale Unterscheidungskategorien:

Das Objektive Universum (OU) ist der Kosmos bzw. die Weltordnung. Der Mensch ordnet ihm für gewöhnlich bestimmte Gesetze bzw. Konstanten in Raum und Zeit zu. Das OU kann sowohl mit der “Natur”, als auch – in pantheistischen Strömungen – mit Gott identifiziert werden. Orthodoxe Religionssysteme postulieren die Möglichkeit der Vereinigung eines Subjekts mit dem OU mittels mystischer Riten, während die modernen Naturwissenschaften eine präzise, rationale Erfassung des OUs anstreben. Das OU ist der Ursprung aller Materie.

Das Subjektive Universum (SU) ist die “Welt” einer jeden empfindsamen Entität. Es gibt so viele subjektive Universen, wie es empfindsame Wesen gibt. Eine Erfahrung des objektiven Universums ist in der Regel nur indirekt (gefiltert durch die Wahrnehmung des subjektiven Universums) möglich. Das SU scheint nicht denselben Gesetzen wie das OU unterworfen zu sein, da es auf mentalen Prozessen basiert. In diesem Sinne ist das SU “unnatürlich” bzw. “akosmisch”.

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Die “Unnatürlichkeit” des subjektiven Universums wird besonders dort explizit, wo menschliche Subjekte eine künstliche Veränderung in der physikalischen Welt herbeiführen – Bauwerke, Kunst, politische Strukturen, Literatur usw. Dies erfordert ein reflexives Bewusstsein. Obgleich an dieselben materiellen Grundlagen des objektiven Universums gebunden, gibt es keine völlig identischen subjektiven Universen.

Wir finden in allen subjektiven Universen eine universelle Gemeinsamkeit – die Separation vom objektiven Universum, die durch das Bewußtsein eingeleitet wurde. Dieses Prinzip der Separation ist zugleich eine Qualität des objektiven Universums. Wir können hier von einem ontologischen Prinzip der “Isolierten Intelligenz”, dem separaten Subjektiven Universum “an sich”, sprechen.

Westliche religiöse Strömungen des Pfades zur Linken Hand identifizieren die “Isolierte Intelligenz” als Archetyp mit einer bestimmten göttlichen Entität. Personifiziert kann die “Isolierte Intelligenz” auch mit dem westlichen Begriff des “Fürsten der Finsternis” bezeichnet werden. Mythologische Ausformungen des “Fürsten der Finsternis” sind z.B. Seth, Satan oder Tezcatlipoca.

Adepten des Pfades zur Linken Hand erfüllen zwei Hauptkriterien: Apotheose und Antinomismus:

Apotheose basiert auf den Unterkategorien Individualismus bzw. Selbstbewusstsein, Initiation und Magie.

Antinomismus schließt die heterogenen Elemente eines jeweiligen Sozialsystems ein. Ein Adept des LHP strebt eine ethische Position jenseits von Gut und Böse (vgl. Friedrich Nietzsche) an.

LHP-Systeme können entweder auf eine souveräne Position in der materiellen Welt („objektivistisch“) oder auf eine absolute Separation vom objektiven Universum („transzendent“) ausgerichtet sein. Es gibt natürlich auch Positionen, die sich zwischen diesen beiden Extremen befinden.

Soweit Stephen Flowers ein hoher Eingeweihter im Grad eines Magus des “Temple of Set”.

Michael Aquino
Michael Aquino

Der “Temple of Set” wurde 1975 von Mitgliedern der „Church of Satan“ nach einem Zerwürfnis von dessen Priesterschaft mit Ihrem Gründer Anton Sandor La Vey gegründet. La Vey nutze die Church nur noch zur persönlichen Bereicherung und verlor jeglichen initiatorischen und philosophischen Ansatz. Dies missbilligte die “Priesterschaft von Mendes”. Federführend leitete ihr damals höchster Adept Michael Aquino eine Abspaltung ein, woraufhin viele namhafte Mitglieder die Church verließen. In einer magischen Arbeit, dem “Santa Barbara Working”, erhielt Michael Aquino den Auftrag zur Gründung des  “Temple of Set”. Während dieser Invokation wurde Ihm auch das äeonische Wort “Xeper” übermittelt.

Xeper” stellt den zentralen Begriff zur persönlichen Entwicklung der Adepten des “Tempels” dar. Es bedeutet so viel wie “Ins Dasein gelangen” und stellt einen, in der Praxis effektiver umsetzbaren Ansatz dar, wie Crowley´s Thelema. Ein Adept des Temple of Set ist immer auf der Suche nach Selbstverwirklichung und versucht, sein Leben nach Xeper auszurichten. Schlussendlich ist sein Ziel die Selbstvergöttlichung.

In der magischen Arbeit hat der “Temple of Set” mehrere Arten von Magie entwickelt und sie sehr effektiv in die Praxis überführt. In der Regel wendet der Adept verschiedene Formen von Black Magic an. Allerdings muss ich hier kurz die Definition von Black Magic festlegen, wie sie vom Tempel verwendet wird. Black Magic hat nämlich nichts mit “böser Magie” zu tun. Wie in Dr. Stephen Flowers Definition bereits ausgeführt, empfindet sich ein Anhänger des LHP als getrennt vom Universum. Er strebt es auch nicht an, sich auf irgendeine Art und Weise mit dem objektiven Universum zu verbinden, so wie dies in mystischen Ansätzen immer geschieht. Praktizierende, die diese Vereinigung anstreben und dabei Wirkung erzielen, bezeichnet der Setianer (Mitglied des Temple of Set) als weiße Magier. Dazu gehören so gut wie alle Religionen aber auch die meisten heidnischen Kulte, die sich mit Naturwesen etc vereinigen und diese Kraft dann nutzen. Ein Setianer strebt Perfektion an in “Greater Black Magic” (GBM). Dazu beschäftigt er sich sehr intensiv mit der Erforschung seines eigenen, subjektiven Universums und dem subjektiven Universum anderer. Zwischen dem eigenen subjektiven Universum und dem Objektiven Universum besteht ein sogenannter magischer Link, eine Verbindung. Diese nutzt der Magus indem er Veränderungen in seinem eigenen subjektiven Universum herbeiführt, die dann proportionale Auswirkungen im objektiven Universum haben. Die Magie geht also direkt vom subjektiven Universum des Magiers aus ohne den Umweg über eine außenstehende Entität. In der Erforschung dieser Techniken ist der Tempel of Set mittlerweile weltweit führend.

Der Tempel of Set kann durchaus als magische Universität verstanden werden. In ihm gibt es verschiedene Orden, die sich mit spezialisierten magischen Disziplinen beschäftigen. Sie können wie Fakultäten einer Hochschule angesehen werden. Einige Beispiele wären „The Order of the Trapezoid” mit Schwerpunkt Magische Geometrie, „The Order of The Vampyre” mit Schwerpunkt Präsenz und Ausstrahlung. „The Order of Setne Kamuast” der sich mit alter mediterraner Magie beschäftigt und seiner Anwendung in der heutigen Zeit und etliche andere „Fakultäten“ der Magie.  Ein sehr bekannter Teil des Tempels ist das “Element of Arkte”. Seine Mitglieder, die “Arkte Warrior” setzen sich weltweit für Tierschutz ein und der Eine oder Andere kämpft an Board der „Rainbow Warrior“ gegen japanische Walfänger.

Der Wichtigste Fokus aller Setianer und ihre meiste Arbeit liegt aber immer auf Ihrem eigenen, ganz persönlichen Xeper, Ihrem “Ins Dasein gelangen”, ihrer Selbstverwirklichung.

Wer mehr über den Tempel wissen will, den verweise ich auf seine Homepage: Tempel of Set

sowie auf einen deutschsprachigen Überblick: Tempel of Set (D)

Ein Standardwerk eines ehemaligen Highpriest des Tempels wurde gerade neu aufgelegt:

Ein wunderbares Werk von Dr Stephan Flowers:

Leider nur in englischer Sprache sind die Werke von Michael Aquino erhältlich. Trotzdem sehr lohnend. Erschwinglich als Kindle Edition.

Tempel of Set Vol I

Tempel of Set Vol II

 

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