Gregor A. Gregorius – Mystiker des dunklen Lichts

 

In der Reihe über Persönlichkeiten, welche die Geschichte der Magie sehr stark beeinflusst haben, möchte ich heute über Gregor A. Gregorius schreiben, den „Mystiker des dunklen Lichtes“.

Mit bürgerlichem Namen hieß er Eugen Groschen und wurde 1888 geboren. Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts zog er nach Berlin und eröffnete dort eine Buchhandlung. Es war eine Zeit, als es noch keine Autos gab und die Menschen vorwiegend Fahrrad fuhren. Esoterisches oder gar okkultes Wissen war praktisch nicht verfügbar. Die Theosophin Helena Blavatzky machte erstmals die Lehren des fernen Ostens, hinduistische und tantrische Gedanken, einem größeren Publikum im Westen zugänglich.

Im Berlin der wilden zwanziger Jahre entstand innerhalb der Künstler und Bohemien Szene ein regelrechter Hype in Sachen Okkultismus. Gregorius, der von klein auf mit diesen Themen in Kontakt stand -sein Elternhaus war der Treffpunkt einer „Pansophische Gesellschaft“ genannten Gruppe- begann mit einem kleinen Kreis von Interessierten in seiner Buchhandlung Kurse über astrologische und okkulte Themen abzuhalten. Er gründete die astrologisch/esoterische Arbeitsgemeinschaft. Dies war wie gesagt in einer Zeit, in der es praktisch keine esoterische Literatur gab. Gregorius1_webParallel dazu wurde aus diesem Kreis heraus die „Pansophische Loge der lichtsuchenden Brüder, Ortsorient Berlin“ gegründet. Sie arbeitete verdeckt und erforschte ein Vielzahl an okkult/esoterischen Themen. Eugen Grosche war bei diesen Aktivitäten die treibende Kraft. Als Buchhändler gelang es ihm auch, diesem Kreis schwer zugängliche Literatur zu besorgen, die von Ihm und seinen Weggefährten erforscht und bearbeitet wurde. In gewissem Sinne handelte es sich durchaus um Geheimwissen. Die Mitglieder dieses Berliner Orients gehörten bald zurecht zu den führenden Köpfen des deutschen Okkultismus.

Im Jahre 1925 kam Aleister Crowley auf die Idee, sich zum Chef des europäischen Okkultismus ausrufen zu lassen. Es wurde eine Konferenz in Weida organisiert. Dort traf Eugen Grosche erstmals Aleister Crowley und war, wie auch die anderen Teilnehmer von dessen Wissen, Können und Vision sehr beeindruckt. Allerdings lehnte er dessen Führungsanspruch kategorisch ab. Einem Anderen zu dienen widersprach seinen innersten Vorstellungen. Es kam zum Streit und die „Pansophische Gesellschaft“ löste sich auf.

Grosche begann nun, seine eigenen Visionen zu verwirklichen und gründete zusammen mit einigen anderen Eingeweihten die „Fraternitas Saturni“ wurde deren Großmeister und nannte sich fortan Gregor A. Gregorius.

Die Fraternitas Saturni war bis zu seinem Tod im Jahre 1964 sein wichtigstes Betätigungsfeld. Er war ein großer Lehrer mit sehr ausführlichem, persönlichem und brieflichem Kontakt zu seinen Schülern. Als Großmeister machte er die Loge zu einer sehr bedeutenden magischen Schule. Er war der Autor unzähliger Abhandlungen und etlicher Bücher über Magie und Mystik und trug den Hauptanteil an der logeninternen Publikation „Blätter für angewandte, okkulte Lebenskunst“. Sie ist nun öffentlich zugänglich und umfasst hunderte von Artikeln über Magie und Mystik aus der Zeit von 1950 bis 1963, die natürlich vor dem Hintergrund ihrer Zeit studiert werden wollen.

Eines seiner wichtigsten Vermächtnisse ist seine Vision von der Mystik des dunklen Lichtes, der smaragdgrünen Dämmerung. Sie empfindet die Dunkelheit nicht als Bedrohung oder gar als etwas böses, sondern als Ort des Unerforschten, wo tiefe, versteckte Geheimnisse den Suchenden zu höchsten Erkenntnissen führen. Niemand kann seine Vision besser beschreiben als er selbst, daher möchte ich ihn in einem sehr schönen Aufsatz zu Wort kommen lassen.

 

Die höhere Oktave des Planeten Saturn

von Mstr. Gregorius

Eine esoterische Betrachtung

Dort, wo die verfeinerten mentalen Schwingungen des Arupa-Planes in ihren subtilen Wirkungen das menschliche Ego an die Grenze des intellektuellen Erkenntnisvermögens durch rein geistig fundierte Wahrnehmungsmöglichkeit, durch Intuition oder Inspiration, hochgepolt haben, dort an der Grenze des Kausalplanes, beginnt das Reich des großen Demiurgen Saturn.

Dort schwingt er als Hüter der Schwelle im dunkelgrünen Lichte in seiner höheren Oktave.

Hat das Ego in seiner geistigen Entwicklung das dunkle Tor des Saturn erreicht, ist es als reif befunden die Schwelle zu höheren Erkenntnissen, die in dahinter liegenden Sphären liegen, zu überschreiten, so senkt Saturnus der Hüter der Schwelle, der Herr des Karmas, die Fackel des Todes.

In dieser wunderbaren Symbolik verschönt sich das ernste Antlitz des großen Demiurgen durch ein gütiges, verstehendes und befreites Lächeln und alles liegt in einer dunkelgrünen Dämmerung, welche ihn umhüllt. – So vollzieht sich für das Ego die letzte große Einweihung zum Adepten der grünen Stunde und es werden ihm die Rituale der grünen Dämmerung offenbart, die Geheimnisse der Adepten des grünen Saturnmondes, deren Symbole nicht mehr die Rosen am Kreuze sind, sondern die hehre Schönheit der weißen Lilien. Befreit vom belastenden Karma, erlöst von der Schwere der irdischen Sphären, beginnt das Ego seine weitere Wanderung, die es in ferne Sphären führt, welche im hellblauen uranischem Lichte schwingen.

Dieser große Demiurg Saturnus hat nicht viel mit dem astrologischen Planeten Saturn zu tun. Dieser Planet ist eine materielle Manifestation in der Planetenkette und stellt in seiner dichten atomistischen Struktur die Basis und die Erscheinungsform der so genannten niederen Oktave des Planetenwesens Saturn dar. Hier sind die allgemein gültigen disharmonischen Aspekte in ihrer hemmenden und zerstörenden Wirkung spürbar, je nach der Stellung und der Aspektierung des Saturn im Geburtshoroskop. Saturn_webDieses Wissen und Verständnis muss bei einem Esoteriker vorhanden sein! Saturn als reines böses Prinzip zu betrachten, als Manifestation des Teufels, ist unsinnig und dumm, zeugt von einer geringen Erkenntnisreife des Menschen. Hat das Ego erst einmal die Schwelle des Hüters durchschritten und ist in die Sphäre der Kausalebene eingegangen, so lebt es nun in der Welt der Ursachen, der kausalen Geschehnisse, der Urgrundsphäre aller Dinge und ist selbst tätig als Schöpfer, als impulsgebendes geistiges Wesen, welches seine Ausstrahlungen befruchtend in die mentalen Sphären zu senden vermag. Die Erkenntnis der mentalen Kräfte und ihre Beherrschung ist ihm erlaubt und ein solches Ego vermag sich auch aufbauend weiter zu verwenden in seinem nun vorherrschenden schöpferischem Drange und Willen, aber auch für sich selbst zu seiner noch höheren weiteren Entwicklung dem Absolutum entgegen. Seiner harren ja noch weitere hohe Ebenen oder Sphären zur Absolvierung, seine ihm vorgeschriebene kosmische Spirale verfolgend.

Für diesen hohen Entwicklungsgrad gibt es keine Vorschriften mehr für eine noch so hohe Magie, denn die hohen universellen Kräfte vermag der Mensch gar nicht zu erreichen, er erhält nur spürbar einen Abglanz jener Kräfte und selbst diesen erst nach vielen Umformerwerken und Umpolungen. – Es werden ihm keine Wege mehr gezeigt, keine Lehren gegeben! Es gibt keine Schutzmittel. Er ist ganz auf sich allein gestellt, ein schöpferischer Mensch auf höchster Ebene, nur noch offen für überirdische kosmische Einstrahlungen im engen Kontakt mit den Schwingungen des Absolutums durch dessen Bildekräfte. Selbst wenn sich wissende Menschen vereinigen würden zu einer Bruderkette, würden sie diese Reife nicht erreichen, denn jeder muss diesen hohen Erkenntnisweg allein gehen.

Hierzu gibt es keine Methoden zur Erforschung, jede Frage erlischt im Dunkel des Nichtbegreifens, hier helfen nur einen Teil des Weges hohe Rituale zur Anbetung. Diese Rituale des dunkelgrünen Lichtes in der Saturn-Dämmerung sind so geheim, werden und sind niemals veröffentlicht, galten schon in der lemurischen Epoche als hohes oder tiefes Geheimnis eines eingeweihten Priestertums, als Fundament eines hohen Mondkultes. Selbst die atlantischen Priester, welche in der ersten oder zweiten Atlantisepoche diese Rituale wahrscheinlich gekannt, aber nicht ausgeübt haben, denn die atlantische Religion war auf einem hohen Sonnenkult aufgebaut, haben nichts davon überliefert. Nur in der Frühzeit der ägyptischen Epoche und sonderbarerweise in Madagaskar und in Polynesien findet der forschende Esoteriker einige Rudimente dieses uralten Weistums in den dort überlieferten Mondkulturen. – Wer noch an den Gott des Christentums und an seinen Sohn glaubt, der ist nicht reif für diese höheren Erkenntnisse und hat die Schwelle Saturns nicht überschritten.

Ein Angehöriger der Saturnbrüderschaft, der in ihr die Meisterweihen erreicht hat, weiß und ist überzeugt durch angewandte Praxis, dass die schöpferischen saturnischen magischen Impulse sehr wohl aufbauend, aber destruktiv zerstörend angewandt werden können. Es gibt hier keinen Mittelweg. Es ist die gleiche angewandte Kraft. Nur der eigene Wille ist hier für den Magus entscheidend! – Hier liegen die Anfangswege der schwarzen und weißen Magie. Man kann diese kosmischen Saturnischen Kräfte pervertieren und zur Zerstörung anwenden oder aber auch zum segenbringenden Aufbau. – Jedoch für einen Menschen welcher im Dienste des Saturn steht, ihn in seiner höheren Oktave erfasst hat, existiert eine hohe rein saturnische Ethik auf der Grundlage des Verstehens und des Begreifens, die zwar nicht verzeiht, nicht vergisst, aber doch alles Irren als notwendige Wege zur inneren oder höheren Reife erkennt und wertet.

Ein Meister im saturnischen Lichte kann mit Recht als ein Beherrscher des untern oder des oberen Lichtes gelten, denn er vermag seine schöpferischen Impulse sowohl in die mentalen Sphären oder aber auch in die rein astralen Welten zu werfen und zu gestalten. Er steht jenseits von Gut und Böse, denn diese Begriffe existieren für ihn nicht mehr in seiner hohen Erkenntnisreife. Das Gesetz des neuen Zeitalters: Tue was Du willst, existiert auch für ihn und er muss natürlich auch für sein Tun die Verantwortung tragen den höheren Mächten gegenüber. Lucifer-Saturn ist ein hohes kosmisches Wesen und seine Diener oder Brüder müssen sich ihrer Verantwortung sehr wohl bewusst sein, um nicht in die Schwingungen seiner niederen Oktave abzugleiten und dann nur Werkzeuge der dämonischen Kräfte zu werden, aber nicht schöpferischer Gestalter.

Zwar erreicht der Mensch durch eine bewusste Beherrschung des negativen oder auch des positiven Poles in der Magie, die Spitzen menschlichen Erkenntnisvermögens und wird dadurch auf einsame Höhenwege kristallklarer Erkenntnis jenseits von Gut und Böse geführt, aber er kennt auch in sich die Harmoniegesetze kosmischer Entwicklung, deren Befolgung unbedingt nötig sind für seine eigene Reife. Für ihn ist es immer wichtig, die Brücke zu bauen zur Überwindung und zur Lösung der meist herrschenden inneren Spannungen.

Die Mystik, welche nur Wegweiser sein kann, sagt ganz recht: Gott hat ein helles und ein dunkles Antlitz von Urbeginn an. – Dieses Wort Gott, welches ja allgemein nur ein Nichtwissen verhüllt als Ausrede, ist ja nur die Bezeichnung für die große hinter allem liegende oder bestehende Einheit, des Absolutums, der Nullpunktsenergie, für das Unerforschbare, wo dem menschlichen Denken, dem Verstande, dem begreifenden und forschenden Geiste absolute Grenzen gesetzt sind.

Jedoch der wissende Mensch, der im rein saturnischen Lichte steht, ist immun gegen die religiösen und üblichen ethischen, moralischen Suggestionen, welche die Welt durchfluten und den Aufstieg der Menschen zu hohen Erkenntnissen nur verhindern. Er weiß, dass selbst das tiefste Leid ihn reift durch Erfahrung und dass sein beschrittener Weg in die Einsamkeit, in die Menschenferne führt, aber doch zu einer wunderbaren inneren Glückseligkeit.

 

Links zu Literatur-Empfehlungen zu diesem bedeutenden Magier und Mystiker:

 

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