Saturn – Der Hüter der Schwelle

 

Dieses Essay entstand im Rahmen eines drei wöchigen Saturnexerzitiums. Während dieser Zeit beschäftigte ich mich ausschließlich nur mit Saturn.

Zum Exerzitium gehörten mehrmals tägliche Energetisierungsübungen meiner Chakren und Meridiane sowie mehrere Meditationen über Saturn jeden Tag.

In der dritten Woche führte ich täglich saturnische Invokations- und Evokationsrituale durch.
Die aus diesen Meditationen und Arbeiten gewonnen Erkenntnisse flossen in diesen Aufsatz mit ein.

Das Vorliegende gliedert sich in mehrere Teile. Zu Beginn möchte ich die historischen Wurzeln der Saturnkulte herausarbeiten. Philosophische und astrosophische Ansätze moderner Saturnkulte leiten über zum Wesen und zur Essenz der Saturnmagie und zu den Eigenschaften des Saturnmagiers. Hier möchte ich dann auch darauf eingehen, was Saturn für mich persönlich bedeutet.

Saturn, der riesige Gasplanet, wird in magisch/mystischen Kreisen oft als die Schwarze Sonne bezeichnet. Er gilt nach alter Betrachtungsweise (die Planeten Uranus und Neptun waren noch nicht entdeckt) als der äußerste Planet unseres Sonnensystems. Hinter ihm ist das Nichts. Er ist der Hüter der Schwelle zum Abyssos.

Die Griechen nannten ihn Kronos die Römer Saturnus. Im römischen Pantheon galt Saturn als der Wächter des Staatsschatzes. Cicero übernahm dann die griechische Zuordnung und machte Saturn auch noch zum ‚Gott der Zeit. ‚
Eine weitere deutliche Parallele zu Kronos ergibt sich aus dem Begriff ‚Saturnia Regia Aurea Aetas‘ (Saturn regiert das Goldene Zeitalter).

Saturn1_webNachdem Jupiter Saturnus entmachtet hatte, floh dieser nach Latium und erhielt dort Asyl bei Janus, mit dem er die Macht teilte. Als Gegenleistung unterwies Saturnus die Einwohner Latiums in der Kunst des Wein- und Ackerbaus. Man lebte im Überfluss und frönte z.T. überaus unkultivierten Sitten. Daraufhin zürnten die anderen Götter, überwanden Saturnus und legten ihn in schwere Eisen. Noch heute soll man die Ketten klirren hören, wenn Saturnus auf die magische Anrufung reagiert, sagt die Legende.

Der römische Capitolberg trug vorher den Namen Mons Saturnius, an seinem Fuß befand sich ein vermutlich aus phönizischer Zeit stammender Altar. Wahrscheinlich um 497 v. Chr. wurde dann auf dem Capitol der erste Saturntempel erbaut. Seine Einweihung am 17. Dezember gab den Anlass für die später gefeierten Saturnalien, die zeitweise bis zum 23.Dezember andauerten.

Der Saturntempel erfüllte bereits in frühester Zeit eine wichtige urbane Funktion. Im Keller des Gebäudes wachte Saturnius über das Aerarium Populi Romani, den Staatsschatz des römischen Reiches.

Der Saturntempel wurde mehrfach saniert und renoviert und die Mauern der Cella (Kultraum) standen nachweislich noch 1402. Selbst unter den christlichen Kaisern wurde der Saturntempel nach einem Brand wieder aufgebaut. Die Saturnalien in Rom wurden wie die Kronien in Athen bis in späte Zeiten hinein gefeiert.

Auch im nordafrikanische Raum wurde Saturn verehrt. Dort unter dem Namen Baal Hammon.

Im späten Mittelalter begann eine Wandlung in der Sichtweise des Saturn. War er vorher noch der Hüter des Staatsschatzes, der Lehrer von Ackerbau und Viehzucht dem zu Ehren ausschweifende, orgiastische Feste gefeiert wurden, der Herrscher über das goldene Zeitalter, so entwickelte er sich dann immer mehr hin zum Unheilbringer. Er stand für Verderben und Unglück. Am Rande des Sonnensystems gab es nur Kälte und Dunkelheit.

Die modernen Saturnkulte sind erstmals im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert dokumentiert. In dieser Zeit existierte wohl eine ‚Bruderschaft des Saturn‘ in Skandinavien, die sich mit Alchemie, Mathematik und pythagoräischer Mystik beschäftigte.
Mitte des 18. Jahrhunderts schuf der Mathematiker und Mystiker Hoene-Wronsky eine Saturn Loge in Warschau.

Saturn4_webAm Ostersonntag des Jahres 1928 gründete der ehemalige Sekretär der bereits aufgelösten Pansophischen Gesellschaft Eugen Grosche (weltweit bekannt unter seinem Logennamen Gregor A. Gregorius) zusammen mit wenigen Mitstreitern die Saturnloge Fraternitas Saturni. Ihr kommt in der Bearbeitung des Saturnweges bis in die heutige Zeit eine herausragende Rolle zu.

In Ihrer nunmehr 85 jährigen Tradition erarbeitete und erforschte die Fraternitas Saturni ein einzigartiges philosophisches und astrosophisches saturnales Weltbild, auf das ich hier näher eingehen möchte.

Im Mittelpunkt der Lehre der FS steht der neoplatonische ‚Demiurg Saturn‘, der Hüter der Schwelle. Er befindet sich am äußersten Rand der Existenz an der Grenze zum reinen Sein ‚Sat‘. Hier endet die Welt der Form und die Welt der Erscheinungen. Dahinter herrscht Formlosigkeit und somit die Unendlichkeit aller Möglichkeiten Dort lässt Saturn nur diejenigen passieren die er für würdig erachtet. Der Pfad dorthin ist schmal. Rechts und links lauert der Abyss.

Die höhere Oktave des Saturn ist Luzifer. Er rebellierte gegen die statische, festgefügte kosmische Ordnung und überbrachte der Menschheit das Licht der Erkenntnis. Luzifer ist der Lichtbringer. Er überbringt den Verstossenen das Wissen um den göttlichen Funken, der „in jedem Menschenherzen brennt“ (Liber Al). Aber er brachte auch den Tod, dadurch entstand die Möglichkeit der Evolution. Der „gefallene Engel“ wurde zum Schöpfer der materiellen Welt.

Diese höhere Oktave harmoniert auch mit dem planetaren Geist des Uranus, der zusammen mit Saturn für die gegenwärtige äonische Transformation vom Fische Zeitalter hin zum Wassermann Zeitalter verantwortlich ist.

Die niedere Oktave des Saturn ist Satan. Dies ist die Kraft der Rebellion, des Unglücks und des Todes. Sie ist jedoch für die Weiterentwicklung und Verwirklichung unumgänglich.
Daher arbeitet der Saturnmagier ebenso mit der dunklen Seite des Lichts. Denn ohne Dunkelheit gibt es kein Licht.

Eine einseitige Beschäftigung mit der niederen Oktave ist jedoch so zerstörerisch wie die selbstvernichtende Kraft der Sonne. Sie führt unweigerlich zum Sturz in den Abyss. Daher sollte der Saturn Magier beständig auf die höhere Oktave konzentriert bleiben.

Rund um den metaphysischen Planeten Saturn ist eine Gruppe von Wesenheiten beheimatet, die seine höheren und tieferen Oktaven verkörpern.
Der beherrschende Aspekt der planetaren Sphäre ist jener des Saturnus.
Ein Teil von Saturnus ist der Logen Egregore der Fraternitas Saturni GOTOS.

Tief im inneren findet sich ein kreativer, solarer Kern das Chrestos Prinzip.(Nebenbei bemerkt hat die Sonne einen dunklen saturnischen Kern).
Diese beiden Aspekte können in der kontrollierten Sphäre des Saturn bewusst und harmonisch zusammenarbeiten. Dieser erleuchtete Zustand ist besonders dann möglich, wenn eine harmonische Beziehung zur höheren Oktave des Planeten -Luzifer,dem Lichtträger- hergestellt wird.

Wie lassen sich nun obige theoretisch, philosophische Ansätze in ein praktisch lebbares Weltbild transformieren.
Oder anders ausgedrückt. Was sind die Wesensmerkmale des Saturnmagieres.

Hierzu möchte ich näher auf den saturnischen Archetypus eingehen.
Wenn wir moderne astrologische Handbücher zu Rate ziehen, so finden wir dort unter den Eigenschaften des Saturn folgendes:

Praxisbezogenheit, Vorsicht, Konstruktivität, Verantwortung, Geduld, Ehrgeiz, Sparsamkeit, Zuverlässigkeit, Selbstbeherrschung, Effektivität,Willensstärke, Einweihung im Sinne von Initiation.

Zu seinen negativen Eigenschaften steht dort:

Niedertracht, Engstirnigkeit, Strenge, Selbstbezogenheit, Dogmatismus, Gefühlskälte und Grausamkeit.

Ich persönlich bin der Ansicht, das ein Weg hinauf zur Mystik automatisch mit magischen Fähigkeiten einhergeht. Das Eine bedingt das Andere und umgekehrt.

Mein Weg ist vorwiegend ein mystischer, wobei ich nicht geneigt bin, mich in einer wie auch immer gearteten Unendlichkeit, Göttlichkeit etc. aufzulösen, sondern möchte als Magier die Kontrolle behalten.

Allerdings versuche ich, für mich den Leitsatz zu verwirklichen: ‚Das Außergewöhnliche geschieht nicht auf glatten gewöhnlichen Wegen‘ . Anders ausgedrückt: Es bedarf der Anstrengung um auf diesem Pfad voranzukommen. Dazu gehört beispielsweise eine gewisse Form des magischen Trainings. Und wer damit bereits Erfahrung hat, der weiß, das dies nicht immer leicht zu bewerkstelligen ist. Hierzu ist Konsequenz, Regelmäßigkeit oftmals auch Überwindung nötig. Meine ersten spirituellen Erfahrungen durfte ich im tibetischen Vajrayana machen. Dort wird von den Schülern ein hohes Maß an Einsatz und Hingabe gefordert. Allerdings ist dieser Ansatz erwiesenermaßen zielführend. Drunter ist, glaube ich, ein so hohes Ziel wie Göttlichkeit nur schwerlich zu erlangen. Saturn wirkt langsam aber stetig.

Saturn2_webDer Saturnweg wird oft auch als das westliche Tantra bezeichnet.
So sind die saturnischen Eigenschaften Geduld, Selbstbeherrschung Effektivität, Ehrgeiz und so weiter auf dem mystisch/magischen Weg sehr gut zu gebrauchen.

Saturn ist auch der Herrscher über die Materie. Sein Weg führt mitten durch die Materie. Der Saturnweg ist weit entfernt vom weltabgewandten Eremiten Dasein. Ich bin der Ansicht, gelebte Magie muss in den Alltag integriert sein. Hier ist es die Aufgabe eines Saturnmagiers, saturnische Prinzipien auszuleben. Der Saturnmagier ist ein zielgerichteter Mensch. Er verfolgt beharrlich und mit Nachdruck seine Ziele, die im Idealfall mit seinem inneren Willen, seiner Bestimmung, seinem Thelema im Einklang stehen. Er zaudert nicht und steht zu seinen Entscheidungen. Er ist mutig und aktiv, und hierin effizient und spart sich Schnörkel,Umwege und Überflüssiges.

Er ist konsequent und unnachgiebig zu sich selbst und behandelt andere im Sinne von mitleidloser Liebe. Mittleid erniedrigt den Anderen und bringt niemanden weiter. Saturnmagieren wird oft eine gewisse Gefühlskälte nachgesagt. Nach meiner Erfahrung ist Gefühlsduselei allerdings meist kontraproduktiv. Ich finde, nur in sich gelebte, mitleidlose Liebe ermöglicht tief erlebte Zuneigung anderen gegenüber. Es gilt, den Funken der Erkenntnis, der von Luzifer in uns getragen wurde ,mit dem solaren Chrestos-Prinzip der Liebe harmonisch zu verschmelzen

Saturn ist auch das Prinzip der Formgebung, der Kristallisation. Der Saturnweg ist ein Weg der Selbsterkenntnis. Seine Bearbeitung sorgt für sehr viel Klarheit und lässt unwichtiges, also nicht zum Weg gehörendes, in den Hintergrund treten.
Er stellt oftmals die Begrenzungen auf , die es zu Überwinden gilt. Sein Prüfungen sind hart und gefürchtet.

Aber sind nicht unsere schwersten Stunden oftmals unsere besten Gelegenheiten ?

Saturn5_webSaturn gilt auch als Vollstrecker des Karma. Die Seelen müssen auf Ihrem Weg zur Höherentwicklung gewisse Erfahrungen durchleben. Diese Erfahrungen sind von positiver aber auch von schrecklicher und negativer Natur. Eine Aufgabe des Saturn und der saturnalen Wesen ist es den Seelen diese Erfahrungen zu ermöglichen. Gut oder böse haben dabei keine Bedeutung. Es geht den Wesen ausschließlich darum, zu tun, was getan werden muss.

 

Als Herrscher über die Materie ist Saturn auch der Herr der Magie. Ziel eines jeden Magiers und natürlich auch des Saturnmagiers ist es zu manifestieren. Die Dinge auf die Erde zu bringen und für die Bemeisterung des Alltags nutzbringend einzusetzen.

All diese Eigenschaften verbinde ich mit dem Wesen des Saturnmagiers. Eine Bearbeitung diese Weges erfordert eine eindeutige Ausrichtung. Halbherzigkeiten sind hier sicher nicht zielführend. Mut und Entschlossenheit sind gefragt.

 

 

Dieser Weg ist ein Weg tiefster Erkenntniss und er führt hinauf in höchste Höhen. Ihn zu gehen ist für mich eine große und hehre Lebensaufgabe.

Sollte ich daher vor dem Hüter der Schwelle stehen, so werde ich darauf vorbereitet sein und dann wird er sein Haupt senken und mich passieren lassen.

Quellennachweise:

  1. 1)  Fraternitas Saturni: Saturn Gnosis
  2. 2)  Stephan Flowers: Fire and Ice
  3. 3)  Interwiew von „Frater V.D.“ mit dem Großmeister der FS „Thot“
  4. 4)  BfaoL 1952- 1963 Hrsg. Gregor A. Gregorius
  5. 5)  Anagarika Govinda: Grundlagen Tibetischer Mystik
  6. 6)  Olaf Francke in Magickal Observer März 2009

Literaturempfehlung:

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4 Gedanken zu “Saturn – Der Hüter der Schwelle

  1. Hallo Rossal,
    Das ist ein sehr guter Artikel. Mich wundert nur warum Du Lama Govinda als Referenz angibst. In kenne das Buch, aber soviel ich weiss sind darin keine Angaben ueber Saturn.

    Viele Gruese,
    Richard Tschudi

     
    • Hallo Richard,
      Danke für Dein Lob. Von jemandem, der über Saturn sehr viel weiß, freut mich das besonders.
      Natürlich hast Du recht. Govinda schreibt nichts über Saturn. Ich wollte nur herausstellen, das der Saturnweg eine ähnliche Disziplin voraussetzt wie das tibetische Vajrayana. Die Buchempfehlung war für diejenigen vorgesehen, die sich mit dem Tibetischen Tantra näher beschäftigen wollen. Das Buch hat bei mir sehr viel ausgelöst. Und obwohl ich es schon vor 20 Jahren zum ersten Mal gelesen hab, gehört es immer noch zu meinen Lieblingsbüchern.

       
  2. Hi.

    Ich habe eine ganz andere Frage die nicht zum Thema passt. Aber könntest du vielleicht Orden empfehlen die wirklich Magie praktizieren und man sich weiterentwickeln kann.

    Ich suche eine seriöse Mysterienschule und merke das du Ahnung hast und möchte gerne deinen Rat heranziehen.

    Vielen Dank

     
    • Hallo,

      ich finde Deine Frage passt durchaus zum Thema. Magische Orden sind grundsätzlich empfehlenswert wenn Du in Deiner magischen und persönlichen Entwicklung weiterkommen willst. Sicher gibt es verschiedene ernsthafte Gemeinschaften. Aufgrund von persönlichen Erfahrungen kann ich die Fraternitas Saturni anführen. Dieser Orden hat aufgrund seiner langen Geschichte seid jeher großen Einfluss auf die Entwicklung und die Praxis magischer Systeme. Die größten europäischen Magier Ihrer Zeit waren und sind immer schon dort initiiert. Durch persönliche Bekanntschaften weiß ich, dass die Magier dort sehr ernsthaft an ihrer Entwicklung arbeiten.

       

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