Schult die Schule unser Selbst ? von Löwensonne

 

Ein Beitrag unserer Gastautorin Löwensonne         Teil 1

„98 % der Kinder kommen hochbegabt zu Welt. Nach der Schule sind es nur noch 2 %“.
Diese provokante These stellt zu Beginn des Films von Erwin Wagenhofer „Alphabet- Angst oder Liebe“ der Göttinger Neurobiologe Dr. Dr. Gerald Hüther auf. Der unglaublich sehenswerte Film geht der Frage nach, warum diese angeborene Genialität und Einzigartigkeit des Menschen im Zuge der schulischen Ausbildung verloren geht. Was dabei am meisten erschreckt ist die Tatsache, dass sich unser Schulsystem weitestgehend an Vorgaben orientiert, die die Industrielle Revolution in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts forderte. So sollten funktionierende Produktivkräfte herangezogen werden, die den gebildeten Akademikern gesellschaftlich untergeordnet waren, eine Zweiteilung der Bevölkerung in Handwerker und Kopfarbeiter wurde zementiert, die auch heute – was die Löhne und das Ansehen der Arbeit in den Köpfen der Menschen betrifft, noch Gültigkeit besitzt.
Die Prognose für das 22. Jahrhundert sieht ungleich düsterer aus. Wer bisher geglaubt hat, die Pisa- Studie sei eine europäische Angelegenheit, wird im Film eines Besseren belehrt, denn Pisa ist eine internationale Studie und Europa wendet den Blick Richtung Osten, nach China, das nach den Kriterien der Studie Platz 1 des Rankings belegt, und das damit die Marschrichtung vorgibt, um sich für die Bevölkerungsexplosion und deren Massen-Probleme zu wappnen: Lernfabriken, in denen Spezialisten herangezüchtet werden, ein 13- Stunden Schultag ohne Wochenende, Drill und „Mathematik-Olympiaden“, die die besonders Begabte (oder Leidensfähigen) selektieren. Ein Schulsystem, das nach den Worten des Regisseurs, dazu dient, ein Kind zu zwei Zwecken zu konditionieren: „ein ordentlicher Konsument zu werden, und Dinge, die man vielleicht gar nicht braucht“, herzustellen. “
Nachdem unser Erziehungssystem vorsieht, dass Kinder bereits im Alter von 6 Jahren an diese zwei primären Ziele der globalisierten Leistungsgesellschaft herangeführt werden (wobei übermotivierte Eltern damit bereits ihre 3- oder 4-jährigen „fördern“), stellt sich dem Leser die Frage : Gibt es in diesem zweckorientiertem System, in dem wir den größten Teil unserer Kindheit und Jugend – ungefragt, da noch nicht volljährig, verbringen (in Deutschland gibt es die Schulplicht), die Möglichkeit für unserer individuelle „Ausbildung“, also die Entfaltung unseres Selbst mit seiner innewohnenden einzigartigen Kreativität und, wenn man es so nennen will, Genialität?

„Alphabet“ stellt mit den Protagonisten Andrè Stern eine Persönlichkeit vor, die dem neuen Bewusstsein zuzuordnen ist: Ohne jemals eine Schule besucht zu haben, ist der 42-jährige als Autor und Informatiker tätig, spricht 5 Sprachen, ist Gitarrenbauer und Musiker.
Für Andrè Stern war Lernen und Arbeiten immer „Spiel“, das er auch heute, als Erwachsener und Vater eines 4-jährigen Sohnes, kontinuierlich weiterspielt.
Mehr darüber in Teil 2 dieser Kolumne.

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