Voodoo und die Kraft der Loa

 

Ein Kult, vor dem viele Menschen Respekt, wenn nicht gar Angst haben, ist der afrikanische Voodoo. Seine Zaubereien gelten als äußerst wirkungsvoll. Ich möchte in diesem Artikel den Schleier des Geheimnisvollen ein wenig lüften und seine Bedeutung für die moderne Magie herausarbeiten.

Voodoo hat seine Ursprünge in Westafrika und kam mit der Sklaverei in die Karibik und nach Nordamerika. Hier ist er vor allem in Haiti und Louisiana beheimatet. Zentrale Elemente sind magisch-rituelle Handlungen und Trancetechniken. Es handelt sich dabei hauptsächlich um erfolgsmagische Operationen, zielgerichtet auf Heilung, Reichtum, Erfolg in der Liebe, Schutz vor bösen Kräften etc. Durch die Ansiedlung der Sklaven in christlichen Gebieten finden sich im Voodoo oft auch christliche Elemente. Dem ursprünglichen Voodoo fehlt jeglicher, spiritueller Entwicklungsweg. Genau hier setzten moderne Weiterentwicklungen an.

Voodoo Altar in New Orleans
Voodoo Altar in New Orleans

Voodoo kennt nur einen Gott. Dieser wird französisch „Bondieu“ („guter Gott“) oder kreolisch „Bondye`“ genannt. Bondieu ist so gewaltig, dass der Gläubige sich nicht direkt an Ihn wenden kann. Er benötigt die Loa (auch Lwa) als Vermittler. Die Loa sind göttliche Geistwesen, die die Macht haben, Dinge zu verändern.

Im Voodoo Kult Haitis und Louisianas dominieren hauptsächlich drei Loa Familien: Rada, Ghede und Petro. Dabei ist Rada die älteste Familie. Ihre Loa sind sanfter Natur und haben aufbauende Eigenschaften. Im Gegensatz dazu stehen die eher kriegerischen und dynamischen Petros. Sie werden auch verwendet, wenn schnelle Ergebnisse benötigt werden.

An zentraler Stelle steht bei Voodoo Ritualen das Opfer. Ursprünglich wurden Tiere und Genussmittel geopfert. Das Tieropfer ist in der modernen Ritualistik des Voodoo jedoch weitgehend verschwunden. Nur wenige Scharlatane praktizieren es heute noch. Ich möchte hier auch noch mal ganz klar meine persönliche Meinung zum Ausdruck bringen. In der Magie gleich welcher Couleur hat das Opfern von Tieren keine moralische Rechtfertigung, noch ist einzusehen, wieso der Tod eines Lebewesens dem Magier irgendwelche Macht verleihen soll. Ich halte Tieropfer für verwerflich.

Allen Loa werden bestimmte Zuständigkeiten zugeschrieben. Sie haben genau festgelegtes Aussehen und definierte Farben. Ähnlich wie in den europäischen Grimoire (die Schlüssel Salomons etc), hat jeder Loa sein Sigill, das „Veve“ genannt wird.

Eine schöne Technik ist das Anfertigen sogenannter Gris-Gris Bags. Der Voodoo Priester lädt Gegenstände wie Halbedelsteine, Kräuter, Holzstücke etc. magisch auf, steckt sie zusammen in einen Stoffbeutel und überreicht sie seinem Hilfesuchenden als Talisman.

Überhaupt verbirgt sich hinter der Voodoo Tradition eine sehr reiche und kreative Kultur. Es werden Puppen der Loas angefertigt, die Voodoo Dolls. (Die Sache mit den Nadeln, die man in die Puppe eines Opfers steckt, ist Hollywood und hat keine Entsprechung im ursprünglichen Voodoo. Allerdings finden sich auch dazu praktizierende Scharlatane. Für Geld kann man alles kaufen!). Die Häuser der Praktizierenden schmücken aufwendig und kunstvoll zusammengestellte Altare mit Veves, Voodoo Dolls, Opfergaben und vielerlei materiellen Entsprechungen zur jeweils beschworenen Kraft.

Veve von Papa Legba
Veve von Papa Legba

Die kreative Vielfalt der Voodoo Kultur kann im französischen Viertel (French Quarter) in New Orleans bewundert werden. Rund um die Bourbon Street finden sich zahlreiche Voodoo Shops mit magischem Zubehör nicht nur für Touristen.

Wichtige Elemente eines Voodoo Rituals oder einer Voodoo Feier sind das Opfer, ritueller Tanz, Trommeln, Gesänge etc. Oft rufen diese Techniken Trancen hervor, in denen sich der Loa manifestiert.

Ein zentraler Loa, der zu Beginn aller Voodoo Rituale  zu finden ist, ist „Papa Legba“. Er ist der Torwächter (Gatekeeper) zum Reich der Loa. Nur wenn mit Ihm angemessen gearbeitet wird, öffnet er für die anderen Loa der Rada Familie die Pforten zur materiellen Welt.

Einige Loa und Ihre Entsprechungen:

Papa Legba: Rada

Symbol: Spazierstock Farbe: rot/grün Opfer: Getreide/Rum Gatekeeper

Simbi: Rada

Symbol: Schlange Farbe: grün Opfer: Regenwasser, Schlangenhaut,Kerzen

macht hellsichtig, heilt über das Element Wasser (nur Süßwasser)

Linto: Ghede

Symbol: kindisches Verhalten gilt als Beschützer der Kinder

Erzulie Freda: Rada

Symbol: Herz mit Schwert Farbe: Rosa Opfer: Juwelen, Parfüm, süßer Kuchen

romantische Liebe, Schutz vor häuslicher Gewalt

Arangement des Künstlers Hagen von Tulien
Arangement des Künstlers Hagen von Tulien

Filomez: Rada

Symbol: Besen Farbe: Hellblau, Hellgrün Opfer: Blumensträuße

Beseitigung jeglichen Unglücks

Jean Petro: Petro

höchster, zerstörerischer Rada. Wird mit dem Widerstand gegen die Sklaverei in Verbindung gebracht

Baron Samedi: Ghede

Symbol: Grabkreuz Farbe: Violett Opfer: Zigaretten und Rum

Beschützer der Toten. Steht er hinter Dir, ist Deine Zeit abgelaufen.

Weitere Loa findet man leicht bei Wiki unter Geistwesen im Voodoo

Die Arbeit mit den Loa ist sehr interessant. Ihre Kräfte sind gut zugänglich und wirksam. Der bunte und kreative Rahmen öffnet dem künstlerisch veranlagten Magus gute Möglichkeiten, sich auszudrücken. Voodoo ist ein sehr schönes Werkzeug, allerdings: „Wer die Loa ruft sollte sich nicht wundern, wenn sie kommen.“

Links zu weiterführenden Büchern zu diesem Thema:

 

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2 Gedanken zu “Voodoo und die Kraft der Loa

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